10. November 2022
Matthias Wagener

Why science?

Nachhaltigkeitsbegriff, Definition des Brundtland-Berichtes der Vereinten Nationen von 1987: 

„Humanity has the ability to make development sustainable – to ensure that it meets the needs of the present without compromising the ability of future generations to meet their own needs.“

Das sagt die Wissenschaft – darüber, was wir mit unserem Lebensraum anstellen, was wir im Namen von Fortschritt und Bequemlichkeit, Wachstum und Unabhängigkeit, Gier und Eigensucht zerstören – und dass wir handlungsfähig bleiben müssen. 

Die Wissenschaft schaut sich Nachhaltigkeit seit Jahrzehnten aus vielen Fachrichtungen an: ökologisch, ökonomisch, sozial.

Ist Nachhaltigkeit das Gegenteil von Vielem, was wir im Alltag richtig und erstrebenswert finden? Was bedeuten erfolgreiche Ökonomie und Wachstum, Überkonsum bei begrenzten natürlichen Ressourcen, das Wegsehen im Alltag aus Bequemlichkeit für unseren Planeten? 

Heute wird in der öffentlichen Diskussion über Verzicht gesprochen, über die Unmöglichkeit, ein erfülltes und gleichzeitig nachhaltiges Leben zu führen. Es geht ganz aktuell um Fragen der Energieerzeugung und des -verbrauchs, um Mobilität, Individualismus versus Gemeinschaft, es geht um Verteilungsgerechtigkeit und Miteinander. 

Große Fragen. Große Themen. Fast beliebig komplexe Zusammenhänge.

Die Wissenschaft beschäftigt sich in vielfältigen Fachrichtungen mit diesen Ausprägungen des gesellschaftlichen Zusammenlebens und der ökonomischen, ökologischen und sozialen Aspekte von Nachhaltigkeit. 

Aber hilft uns das auch? Ganz konkret?

Weil die Wissenschaft Zusammenhänge und Ursachen erforscht und menschliches Handeln über Zeiträume darin beschreiben kann, weil sie Auswirkungen misst und sichtbar macht und Lösungswege evidenzbasiert anbietet, kann es auch heißen: ohne Wissenschaft, ohne ihre Erkenntnisse, keine Nachhaltigkeit.

„Humanity has the ability to make development sustainable - to ensure that it meets the needs of the present without compromising the ability of future generations to meet their own needs." Nachhaltigkeitsbegriff, Definition des Brundtland-Berichtes der Vereinten Nationen von 1987

Auch wir …

Bei VAST FORWARD ging es mit der Nachhaltigkeit mitten in der Corona-Pandemie los. Motiviert war das durch Maren und mir, mit unserem schwimmenden Büro VAST, auf dem wir mehr als 7 Monate im Jahr autark mit Sonnenenergie und selbst produziertem Trinkwasser leben können. Daraus entstand ein internes Projekt von Vanessa aus dem PM-Kernteam: eine Reihe von Lunch&Learns mit Fokus auf Nachhaltigkeit. Was bedeutet Nachhaltigkeit? Was verstehen wir als Team darunter? Welche Aspekte sind uns besonders wichtig? Was passiert um uns herum? Und schließlich, als eine Art Schulterschluss mit der Realität außerhalb unseres Organisations-Kosmos: welche Erkenntnisse und Möglichkeiten gibt es, als Privatperson und als ökonomisch-handelnde Organisation, nachhaltiger zu leben und zu agieren?

Bei VAST FORWARD war das Ergebnis – ein nächster Schritt. 

Aus Vanessas Lunch&Learns entstanden die VAST FORWARD Prinzipien für nachhaltiges Miteinander. Aus der Beschäftigung mit Nachhaltigkeit wurde unsere Nachhaltigkeitsinitiative VAST GREEN.

So what?

Also: Was ist heute Nachhaltigkeit für VAST FORWARD? 

Das sagt uns auf der einen Seite “die Wissenschaft” – und wir haben das schon in unserer Strategie, die all unserem Handeln zugrunde liegt, festgeschrieben.

VAST GREEN Strategie und was wir daraus machen:

  • eine Strategie basierend auf unseren eigenen Prinzipien, im steten Abgleich mit der Wissenschaft – in unserem Fall den 17 Sustainable Development Goals (SDGs)
  • mit klarem Fokus auf messbare Ziele 
  • mit daraus abgeleiteten Nachhaltigkeits-Kriterien, die relevant sind 
  • Implementierung über gemeinsames Team-Vorgehen – Sprint basiert, transparent, mit messbaren Ergebnissen, die wir auch feiern
  • mit (Emissions-)Werten, die benennbar sind, statt Pauschalen – wann immer möglich – was übrigens gar nicht einfach zu heben ist
  • Heben konkreter Änderungspotenziale und Optimierung im Sinne der Nachhaltigkeit

Denn: Unternehmen haben eine besondere Verantwortung, siehe “Kapitalismus” oben. 

Das weiter grenzenlose Ausnutzen natürlicher Ressourcen hat bereits heute viele Lebensräume und Ökosysteme zerstört. Ein Ende ist nicht in Sicht. Das geht so weit, dass die Klimaziele der verantwortlichen Regierungen vielfach verfehlt werden.

Das Prinzip „Wachstum“ ist die Grundlage aller wirtschaftenden Unternehmen – und von ihrem „Erfolg“ hängt viel ab. Um zu erkennen, welche Stellschrauben im eigenen Unternehmen relevant sind, ist es am einfachsten, dem Geld zu folgen.

“follow the money” – Lieferketten verstehen

Das Geld – woher kommt es? Wo geht es hin? Mit diesen einfachen Fragen haben wir Erkenntnisse aus der eigenen Lieferkette gewonnen, die heutigen, über die digitale Infrastruktur schnellen internationalen Verflechtungen, die intransparent und nach eigenen Gesetzen und Regeln agieren… Der “follow the money” Ansatz. 

Die eigene Buchhaltung kann helfen, Lieferketten zu verstehen – in Zusammenhang mit wissenschaftlich bekannten Nachhaltigkeitskriterien ergeben sich Erkenntnisse und Ansätze für die nachhaltige Weiterentwicklung des Unternehmens.

Keine Nachhaltigkeit ohne Wissenschaft, auch nicht für VAST FORWARD.

Wissenschaft bedeutet auch, dass es immer neue Erkenntnisse geben wird, die zur Anpassung unseres Vorgehens und zu immer neuen Entscheidungen führen werden. 

Das Prinzip Nachhaltigkeit ist in Entwicklung, das heißt, dass auch unsere Initiative VAST GREEN in Entwicklung ist. Wir teilen unsere Erfolge, aber wir lernen auch permanent dazu.

Apropos Erfolge – auch für’s Unternehmen sehen wir klare Vorteile durch echte Nachhaltigkeit:

  • im Markt höhere Attraktivität für aktuelle und potentielle Arbeitnehmer*innen 
  • Stärkung von Kooperation mit Stakeholdern in unserer Industrie
  • Erhöhung von Präsenz und Sichtbarkeit im Markt 
  • immer mehr Zusammenarbeit mit nachhaltig agierenden Unternehmen
  • positive Wahrnehmung in der Öffentlichkeit

Zu guter Letzt

Zu unserer Überraschung haben wir gleich zu Beginn von VAST GREEN festgestellt, dass der einfachste, billigste und schnellste Weg gewesen wäre, per Kompensation nach außen “grün” zu werden. Und das Kompensieren und Ausgleichen eigener Emissionen ist ein bestechend simpler Markt: Das geht im Abo-Modell, per App, mit Nachhaltigkeitszertifikaten – ein grüner Anstrich ohne Veränderung.

Das wollten wir als Team so nicht hinnehmen.

“We Do Not Just Compensate” ist darum unser Wahlspruch – unser Ziel und unsere Aufgabe sehen wir auch in nachhaltigem Wandel ohne Greenwashing. Es genügt der Blick auf das, was die Wissenschaft sagt:

“Human activities are causing dangerous and irreversible changes to our climate and ecosystems which affect all of our well-being and the future of the world as we know it. Timely, ambitious and robust policies that drastically reduce greenhouse gas emissions from fossil fuels and support the recovery of ecosystems are needed to prevent dire consequences in our Earth’s system – for us and other species.” https://scientists4future.org/

Und “drastically reduce greenhouse gas emissions” wird mit dem Kauf von Zertifikaten nicht funktionieren.

 

Mehr Infos für wissenschaftlich fundierte Antworten zum Klimawandel und zur Klimaforschung gibt’s z.B. hier:

Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) https://www.pik-potsdam.de/de/startseite

Max-Planck-Institut für Meteorologie – FAQ https://mpimet.mpg.de/kommunikation/fragen-zu-klima-/-faq 

Portal klimafakten
https://www.klimafakten.de

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