28. Dezember 2023
Matthias Wagener

Folge 2:
GREEN DATA – Video
– Schön, euch zu sehen!

Video – eine Erfolgsstory! Angefangen hat die Idee “Video” Mitte der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts mit Plastik-Kassetten und Magnetbändern – der Inhalt wiedergegeben auf oftmals parallel zum Wunschfilm geliehenen Abspielgerät. VHS gewann gegen Betamax, entschieden von der Pornoindustrie.
Heute, nach mehr als 30 Jahren Digitalisierung verschiedener betroffener Industrien, steht der Begriff “Video” für bewegtes Bild jeglicher Art: Streaming, Bildübertragung on demand und in Echtzeit, Medienkonsum, und im privaten und beruflichen Alltag eine feste Größe im sozialen Miteinander.

Bei Vast Forward können wir diese Entwicklung gut in der Rückschau bei uns selbst sehen, passend zum 15ten Unternehmensjubiläum. Um die Gründungszeit 2008 herum waren drei Kommunikationstools und -kanäle wichtig: Skype und Telefon für synchrone Kommunikation, E-Mail für asynchrone Anlässe. Erst vor vier Jahren haben wir mit der Entwicklung des Teams und unserer Kunden Skype durch Slack ersetzt. Und es ist fast eine Binsenweisheit: seit der Corona Pandemie hat sich, wiederum durch die Ausweitung von Remote-Arbeit bei unseren Kunden, der Video-Call gegen Telefonie durchgesetzt.

Turn it on!

Also, Video on! Es ist super, unser Gegenüber in so vielen vielfältigen Anlässen auch zu sehen und nicht nur zu hören oder zu lesen. Mit Blick auf unsere Struktur haben wir das bei Vast Forward in einem Workshop mal “Rich-Media Remote-Work” genannt. Ob Tagesform, Umfeld, Nuancen im Ausdruck: ein Bild sagt eben auch unter Kolleg:innen manchmal mehr als viele Worte. Und natürlich (im Wortsinn) ist dieses “mehr” bei vielen Abstimmungen und in vielen kleinen Momenten super hilfreich in der Zusammenarbeit auf Distanz.

Wir haben in unserer Blogpostreihe „Streaming“ schon beschrieben, dass Video ein echter Helfer sein kann, ein Tool, dass sich natürlich schon lange in der Welt der Kommunikation und weit darüber hinaus bewiesen hat. Die heutige Leistungsfähigkeit der Geräte und Verbindungen macht unendlich viele sinnvolle Anwendungsfälle möglich: von der Berichterstattung aus Krisengebieten bis zur Telemedizin, im Privaten als immer besser werdende und akzeptierte Möglichkeit, unsere sozialen Bindungen auch über Distanzen hinweg mit mehr Nähe zu gestalten.

Video hilft uns, in einer zusammenwachsenden Welt Distanzen zu verringern – Steve Jobs sagte das 1990 in einem Interview „let’s do for human to human communication what the spreadsheet did for financial planning.“ Auch, wenn er damit vor allem die Anfänge des Internets meinte – wie wir Video heute nutzen, ist sicherlich eine logische Folge dieser Idee.

Video ist aber gleichzeitig auch ein energetisches eCO2-Desaster.

Turn it off!

Also, Video off! Das bisschen “Mehr” an Informationen kann die Mehrkosten an Ressourcen und die Folgen für unsere Klimafolgen kaum wert sein! Oder?

Ein Blick in die Medien: Das Handelsblatt schreibt 2021 “Bei Videokonferenzen gilt: Kamera aus fürs Klima!” und “Videokonferenzen und Streaming sind CO2-Schleudern. Dieses Risikos sollte sich auch die besonders Streaming-freudige „Fridays for Future“-Generation bewusst sein.“ (dabei wird im Artikel beschrieben, dass im Coronajahr durch Videoeinsatz statt Flug- und auto-Pendelei Emissionen stark eingespart werden konnten).
Ebenfalls 2021 schreibt “Forschung und Lehre”: “Videokonferenzen erzeugen hohe CO2-Emissionen” und zitiert eine Studie: mit ”beispielsweise 15 Meetings von einer Stunde pro Woche, komme man auf einen monatlichen CO2-Ausstoß von 9,4 Kilogramm… Mit ausgeschaltetem Video sinke dieser Wert auf 377 Gramm”.

Ein Blick auf die Daten:
Generell kann man sagen, dass ein Video Call ungefähr viermal so viele Daten wie ein Audio Call verbraucht und natürlich braucht es mehr Bandbreite und Energie, sich bei der Videokonferenz zu hören und auch noch zu sehen. Der Aufbau der Bildübertragung verfünffacht die Datenmenge pro Stunde und damit natürlich auch die Menge an klimaschädlichem CO2.
Zu ähnlichen Ergebnissen kommt auch das StartUp Greenspector, das unterschiedliche Meeting-Tools miteinander verglichen hat (Quelle: E-Mail CO2: Was Video-Streaming und Mails mit dem Klima zu tun haben | Bayern 1 | Radio | BR.de)

Auch wenn Videokonferenzen, beispielhaft für unsere Gesamt-Video-Nutzung, klimafreundlicher sind als Dienstreisen: die Differenz im CO2 Ausstoß zwischen “Video an” und “Video aus” bleibt immens – zugunsten von “Video aus”.

Durch das Ausschalten deiner Kamera sparst Du neben einer Menge Datentransfer aber auch noch Strom. Denn bei Videoanrufen werden die Geräteakkus in der Regel schneller entladen als bei Audioanrufen. Die für die Verarbeitung von Videostreams erforderliche Rechenleistung belastet den Akku deines Geräts stärker. Du kannst also die Akkulaufzeit deines Geräts verlängern und den damit verbundenen Energieverbrauch reduzieren und nebenbei Geld sparen – win win!

Ist “Video aus” also die einzig richtige Konsequenz?

Wir sehen uns!

Video, aus dem lateinischen video
→ la, wörtlich „ich sehe“.

Es bleibt auch eine Tatsache, dass das Sehen immense Bedeutung für unsere Wahrnehmung unserer Welt hat. Aus “Visuelle Informationsverarbeitung im Gehirn”, Abteilung Allgemeine Psychologie, Justus-Liebig-Universität Gießen: “Die besondere Bedeutung der visuellen Wahrnehmung für Menschen… kann man an der Größe und der Anzahl der an der Bildanalyse beteiligten Gehirnareale ablesen. …Insgesamt sind etwa 60% der Großhirnrinde an der Wahrnehmung, Interpretation und Reaktion auf visuelle Reize beteiligt.”

Wir haben für uns als Team einfache Regeln gestellt, um immer dann auf unsere Kamera zu verzichten, wenn es möglich und nicht unhöflich ist:

Kamera an:

  • in “social calls”, montags zu Wochen-check-In zum Beispiel
  • bei Vorträgen, damit die/der Vortragende auch visuelles Feedback hat
  • in Workshops und Co-Workings und in Sessions, in denen wir entweder gemeinsam kreativ sind oder kritische Themen lösen wollen
    immer dann, wenn die Beteiligten es sich wünschen

Kamera aus:

  • in Co-Workings, in denen kollaborativ an Dokumenten oder in Listen gearbeitet wird
  • bei gemeinsamem Medienkonsum
  • in one on one Meetings, in denen es ausschließlich um die Klärung fachlicher Fragen geht
  • immer dann, wenn die Beteiligten sich darauf einigen

Dabei ist es unser Ziel, eine Balance zu schaffen aus dem grundsätzlich zu reduzierenden Einsatz von Video als CO2-Treiber und Ressourcen-Fresser und dem sinnvollen Einsatz als Tool, das uns in der Bewältigung unseres Jobs unterstützt und auch in unserem Distanz-Alltag die Nähe ermöglicht, die das gegenseitige Sehen mit sich bringen kann.